Wie es in Krakau war

Von Uta Herrmann

Als Teilnehmerin der Gruppe „Töchter von Kriegseltern – Friedenshüterinnen“ des Berliner Frauenzentrums S.U.S.I. verbrachte ich einen vierwöchigen Freiwilligeneinsatz bei der Frauenstiftung  Fundacja Kobieca eFKa in Krakow (10. September – 8. Oktober 2014). In dieser Zeit habe ich an Veranstaltungen von eFKa teilgenommen, hatte zahlreiche Begegnungen mit  Frauen von eFKa, die zur Gruppe Laboratorium Pamięci (Erinnerungslabor) gehören, und konnte die Stadt in vielen ihrer Facetten kennen lernen. 75 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begab ich mich auf Spurensuche und fand viele Erinnerungs- und Gedenkstätten. Ich  informierte mich über die Gründung der Frauenstiftung und interessierte mich als diplomierte Journalistin sehr für deren Publikationen, vor allem der Zeitschrift „Zadra“.

Das Projekt des Frauenzentrums S.U.S.I. und insbesondere das Austauschprogramm haben bei mir etwas in Gang gesetzt, was nun nicht mehr zu stoppen ist. Mit den Frauen von eFKa werde ich weiterhin verbunden sein – über die Gruppe des Erinnerungslabors, über persönliche Besuche über den Austausch hinaus. Mit der polnischen Sprache werde ich mich weiter beschäftigen und in Berlin verstärkt den Kontakt zur polnischen Community suchen – und seit ich in Krakow war, kaufe ich in polnischen Läden in Berlin ein.

Ich habe dank des Projektes und des EU-Lernprogrammes für Menschen über 50 erfahren, dass man auch in diesem Alter noch viel lernen kann, neue Erfahrungen sammeln, die das persönliche und  das berufliche Leben bereichern. Für diese einzigartige Möglichkeit bin ich dem Grundtvig-Programm dankbar. Auch hat mich der Besuch in Krakau bestärkt, dass polnische und deutsche Frauen gemeinsam etwas tun können, um die Spätfolgen des 2.Weltkrieges mit Vertreibung und Flucht ins Gedächtnis zu rufen – als Mahnung und Aufgabe, es nicht mehr zuzulassen.

Viele Eindrücke habe ich von Krakow mit nach Berlin genommen – und dabei ist mir der bleibende persönliche Kontakt mit einigen polnischen Frauen der wichtigste. Meine Gründe, 75 Jahre nach dem Ausbruch des schrecklichen Krieges nach Polen zu reisen und die Stadt Krakow kennen zu lernen, diese Möglichkeit zu haben, längere Zeit als Freiwillige in einer Frauenstiftung zu arbeiten – das soll auch einem Ziel verpflichtet sein: Frauen dürfen niemals wieder zulassen, dass solche Ereignisse sich wiederholen. Kaum beschreiben kann ich meine Eindrücke über meinen Aufenthalt in Auschwitz. Für mich wird es ein Ort gefrorenen Schreckens sein, dessen Bilder ich nicht mehr vergessen kann.

All diese Erfahrungen werden in meine freiberufliche Tätigkeit als Autorin und Journalistin einfließen. Der Austausch hat mir neuen Mut gegeben, weiterhin aktiv zu sein, Neuem aufgeschlossen und seine eigenen Lebenserfahrungen mit anderen zu teilen.

 

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