Das erste Krakauer Erzählcafé

 

Von Ines Koenen

Am 17.08. trafen sich KriegsenkelInnen aus Krakau und Berlin zum Erzählcafe „Krieg und Frieden in den Räumem von eFKA. Ich hatte mich entschlossen, dieses Format nach Polen mitzunehmen, weil ich neugierig auf die wirklichen Begegnungen war, wissen wollte, ob und wie das Thema der transgenerationellen Weitergabe der Kriegs – Traumata hier besprochen wird. Mit im Gepäck hatte ich auch den neuesten DokumentarFilm von Andreas Fischer „Töchter ohne Väter“, der in 8 Porträts Frauen der Kriegskindergeneration erzählen läßt, wie sie ihre Kindheit und Jugend ohne den (im Krieg gefallenen) Vater erlebt haben.

 

Diese sehr persönlichen Erzählungen haben bei uns allen einen tiefen Eindruck hinterlassen, denn sie zeigten uns, wie sehr der Krieg in den Kinderseelen gewütet hat, wie diese gestandenen Frauen ihren Vater lebenslänglich vermisst haben. Es war ihnen nicht erlaubt, Fragen zu stellen, Schweigen war oberstes Gebot, oft wurden nach dem Tod des Vaters seine Fotos entfernt, über ihn nicht mehr gesprochen, der Tod und er wurden zum Tabu. Und dennoch war er immer präsent – wie ein Schatten.
Ein unbeschwertes, freies Lebensgefühl wollte sich im Leben dieser Frauen selten einstellen. Jahrelang hofften die Familen, genährt dich die wöchentlichen Suchmedlungen im Radio, Sichanzeigen des Ritesn kreuzes, dass der Vater doch noch zurückkäme. Das bleibende Gefühl der Unvollständigkeit war ein prägendes Lebensgefühl dieser Frauen.
In der anschließenden Diskussion ging es u.a. darum, ob durch diese sehr persönliche Erinnerungen an den abwesenden Vater nicht die „Schuldfrage“ zu kurz käme, die Frauen nicht zu wenig die individuelle Verantwortung ihrer Väter/Täter? mit betrachtet haben.
Der Kontext, in dem sich die KriegeenkelInnen in Deutschland bewegen, treffen, austauschen und vernetzen, ist ganz bewusst der einer emotionalen und persönlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Es ist, so habe ich es im Erzählcafe in den letzten vier Jahren erlebt, sehr heildend und erlösend, endlich sprechen zu können und Worte zu finden, für das, was lange Zeit im familiären Nebel lag. Das war unseren Eltern, den Kriegskindern, oft nicht möglich. Die intellektuellen Debatten haben stattgefunden, in verschiedenen Historikerstreits und ideologischen Kontexten, gefüllt sind Mediatheken, Bibliotheken und auch unsere Bücheregale.
Jetzt ist,es an uns, uns durch solche bewegenden (internationalen) Begegnungen neu zu sehen und dabei festzustellen, wie nahe wir uns sind. Am Ende der Veranstaltung haben wir gemeinsam das Lied „Maikäfer flieg“ gesungen.

 

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