Erzählcafe zweiter Teil, „Auf dem Weg zur inneren Versöhnung“

 

 

Am 23.08. trafen sich 5 Frauen von eFka zum zweiten Teil des Erzählcafes, der mit meiner Einleitung zum Thema Kriegsenkel in Deutschland begann. Dabei war es mir wichtig zu vermitteln, dass das regionale wie inhaltlich breit gefächerte Netzwerk, das sich in Deutschland seit 10-12 Jahren entwickelt hat, von einzelnen Personen und individuellen Initiativen ausgegangen ist. Auslöser dieser “ Bewegung“ waren die Bücher in von Sabine Bode „Die vergessene Generation“ (2006) “ Kriegsenkel“ (2009) und „Wir Kinder der Kriegskinder“ (2008) von Anne Ev Ustorf. Das Buch “ Kriegsenkel – Die Erben der vergessenen Generation“ von Sabine Bode hat inzwischen 19 Auflagen ereicht. Inzwischen gibt es unzählige Publikationen, Filme, TV Dokumentationen, biografische, wissenschaftliche, künstlerische und publizistische Wege, sich dem Thema zu nähern.

Entscheidend, und oft der auslösende Moment in der emotionalen Auseinandersetzung ist die Erkenntnis, dass die Traumata der Eltern oder Großeltern oft an uns weiter vererbt wurden. Diese Prägung der transgenerationellen Weitergabe hat sehr viele unterschiedliche Gesichter und „den/die Kriegsenkel/in“ gibt es nicht.

So vielfältig ist auch das Netz der Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise von und für Kriegenkelinnen, das sich in den letzten Jahren herausgebildet hat. Es umfasst bundesweit ca. 22-25 Gruppen. Die meisten Gruppen sind in Großstädten entstanden. Es gibt, wenn man es so grob einteilen möchte, drei charakteristische Bereiche:

  1. Thematisch und biografisch arbeitende Gruppen z.B. zur „Geschichte der Mütter“, zur „Vererbten Trauer“ und Initiativen, die zu Lesungen einladen.

2 . Gesprächskreise, die sich regelmäßig treffen, Erzählcafes z.T. mit festgelegten Themen und auch 1/2 Jahres Gruppen, die über einen bestimmten Zeitraum zusammen arbeiten.

3. Psychologisch orientierte Gruppen, die sich für Familienaufstellungen treffen, Traumatherapeutisch arbeiten oder auf deren Treffen Trauerarbeit im Mittelpunkt steht.

 

Oft mischen sich auch die Themen und Schwerpunkte und meist sind sie nicht so eindeutig voneinander abzugrenzen, zentral ist die gemeinsame Signatur, sind die Schattenthemen der Kriegsfolgen.

Die vielen Internetseiten haben für Newcomer“ immer AnsprechpartnerInnen, Gruppen oder Kontaktpersonen in Ihrem Umfeld aufgelistet, die ständig aktualisiert werden.

Übergreifend informieren:

www.forum-kriegenkel.de ( mit über 360 Buchtipps)

www.kriegenkel.de,

Überblick nach PLZ über das Netzwerk der Gruppen und professionalle Hilfe

Über Berlin: http://www.berliner-kriegsenkelInnen.

Auf zahlreichen Tagungen und Seminaren, die oft in Zusammenarbeit mit Psychotherapeutischen Gesellschaften und Fachverbanden organisiert werden, treffen sich immer wieder und neu Betroffene zum Austausch und gegenseitigem Verstehen. Die Ergebnisse unserer Auseinandersetzungen münden inzwischen in Forschung, Lehre und Therapie. Auch die Urenkelinnen haben das Thema für sich entdeckt und in einem der Erzählcafe präsentierten uns in Berlin 18 – jährige Abiturientinnen ihre Recherchergebnisse.
Interessant für die Teilnehmerinnen in Krakau war auch das Themenspektrum, das wir in den vier Jahren des Bestehens des Erzählcafes schon besprochen haben:

 

  • Parentifizierung,
  • Hochsensibilität,
  • Ahnenforschung,
  • Kraftvolles Erbe oder Last der Vergangenheit,
  • (K)eine beste Freundin,
  • Erziehungsstile“Die geprügelte Generation“
  • Abwesende (Groß) elternu. v.a.m.

 

Bei der Diskussion stellten wir als Gemeinsamkeit fest, dass es auch in den polnischen Familien ein Gefühl des „Nebels“, eines unsicheren, wattierten Lebensgefühls gibt. Oft haben offizielle Geschichtsbilder die inviduelle Auseinandersetzung überlagert, auch verhindern bleierne Zeiten oder Diktaturen die notwendigen kritischen Debatten. Während in Polen in den Familien über den Krieg geredet wird, ist dann die eigene Biografie oft ein Anlass, sich politisch über den Krieg und seine Folgen weiter zu bilden.

In diesem Sinne hat das Berlin- Krakauer Erzählcafe einen weiteren Beitrag zum tieferen Verständnis zwischen Polinnen und Deutschen und der inneren Versöhnung zwischen den Generationen geleistet.

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