Krakau im Winterschlaf (1)

Von Uta Herrmann

Aus meinem deutsch-polnischen Tagebuch

Februar 2017. Warum nur kommst du im Februar? Da hält Krakau noch seinen Winterschlaf. Das will ich erleben. Die Planty sollen zu jeder Jahreszeit anders sein. Und wie sehen sie im Winter aus? Mein Reiseführer verrät das nicht. Planty im Frühling, ja das habe ich 2002 erlebt. Vor mehr als zwei Jahren dann im Spätsommer und Frühherbst. Ich bin sie begangen – sooft es ging. Ich habe die Besucher oder besser Spaziergänger und auch die Krakauer und Touristen beobachtet und fotografiert. Ich habe die Planty erlebt, gerochen – aufgenommen mit all meinen Sinnen. Aber eben noch nicht im Winter. Und wie sieht es mit Adam Mickiewicz auf dem Hauptmarkt aus ? Ist er auch im Winter ein Anziehungs- und Treffpunkt? Ich will es sehen.

Anfang Februar wurden gerade auf dem Markt von Podgorze (Rynek Podgorski) von der riesigen Tanne die letzten Weihnachtskugeln abgenommen. In der Altstadt und vor einigen Kirchen stehen die geschmückten Weihnachtsbäumchen immer noch. Der wenige Schnee wird zu Matsch, hier in Podgorze hält er sich länger und wird zu Eis. Es ist wahrhaftig eine Art Winterschlaf. Die geführten Touristengruppen lassen sich täglich an einer Hand abzählen. Zwar ist die Altstadt auch an einem sehr feuchten nebligen Sonnabend Nachmittag gut gefüllt, ebenso einige Restaurants doch die ganz noblen sind leer. Auf dem Rynek Glowny, wo im Frühjahr und Spätsommer die Freiluftrestaurants – eins neben dem anderen- besetzt sind, sitzen nun die Gäste in durchsichtigen Foliengehäusen, die mit Heizstrahlern ausgestattet sind. Aber sie haben ihre Gäste. Die Pferdekutschen dagegen müssen um sie schreien. Dabei sehen sie viel prächtiger aus als zu Hochbetriebszeiten. Oder bilde ich mir das nur ein? Und Adam Mickiewicz? Er steht einsam. Keiner wartet auf jemanden zu seinem Fuße. Wenige Blumenstände und ein zwei mobile Verkaufsbuden für die Touristen. Da hängt er wieder überall der smok wawelski – groß, klein und mittel. Oder die kugeligen Ketten aus dem schönen bedruckten Krakauer Stoff, wie auch die kleinen Taschen. Mein Souvenirladen neben dem historischen Museum gibt es immer noch. Die Eisläden – lody- sind zu oder verkaufen gleich heiße Schokolade.

Und die Planty? Heute haben sie auf mich keinen einladenden Eindruck gemacht. Es war einfach zu dunkel, grau, nebelig. Nein, ich bin schnell wieder abgebogen und ein Stück des Königswegs die Grodzka gegangen. Am Wawel vorbei – auch das Schloss liegt im Nebel – die Stradomska, dann Krakowska bis zum Platz Wolnica, wo auch das Ethnografische Museum ist, dann die Mostowa entlang und natürlich über die Wisla auf der Fußgängerbrücke. Nun bin ich in Podgorze – eben da, wo Krakau noch nicht endet.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s