Begegnung mit Zuzanna Ginczanka

von Joanna LesniakGinczanka

Begegnung mit Zuzanna Ginczanka

Es roch nach Flieder, der Frühling schenkte uns warme, schöne Tage.

Ich trank Kaffee in meiner Lieblingsbuchhandlung Matras auf dem Rynek und stieß auf eine polnisch – italienische Ausgabe von Gedichten der Zuzanna. Was für ein Zufall! Ich wollte das Buch unbedingt haben! Einmalige Gelegenheit.

Ausgabe aus dem Jahr 2012, „Krzątanina mglistych pozorów. – Un viavai di brumose apparenze“. Nur 700 Exemplare, per Hand geschriebene Zahl, meine trägt die Nummer 167, wahre Rarität.

Ich verhandelte mit der Verkäuferin, das war das letze Exemplar und eigentlich nicht verkäuflich. Es waren Spuren von vielen Fingern zu sehen, von unbekannten Menschen, die in dem Buch blätterten. Das machte mich noch neugieriger. Ich überzeugte die Frau und sie verkaufte mir das Buch.

Gedicht „Non omnis moriar“ wurde stark von vielen Poeten, darunter der Dichterin Anna Kamieńska, als eines der schönsten Gedichte in der polnischen Sprache genannt. Gelehrte haben textliche Parallelen zwischen „Non omnis moriar“ und dem Petit Testament von François Villon aufgedeckt. Aber vielleicht der wichtigste Aspekt des „Non omnis moriar“ ist seine Anklage gegen polnischen Antisemitismus durch eine Jüdin, die mehr als alles andere polnische Dichterin sein und als Polin akzeptiert werden wollte. In ihrem Gesamtwerk beschäftigte sich Ginczanka mit ihrer Identität und ausschließlich ist sie auf ihr Frausein konzentriert.

[Non omnis moriar …]

Non omnis moriar – meine stolze Habe,                                                                    Erstes Buch(1)
Meine Tischtuchwiesen, standhaftes Schrankburgrevier,

Kostbare Bettwäsche, weitgespannte Laken
Und Kleider, helle Kleider, sie bleiben von mir.
Ich hinterlasse hier weder Erb noch Erbin,
Mag Deine Hand ruhig durchwühlen jüdische Güter,
Frau Chomin aus Lwów, Du tücht’ge Spitzelgattin
Flinke Denunziantin, Typ Volksdeutschenmütter.
Dir, den Deinen mag’s dienen, was soll’n da Fremde ran.
Ihr Liebsten – nicht Laute, noch ist’s Namens-Geflimmer.
Ich gedenke Eurer, Ihr habt, als die Schupo kam,
An mich gedacht. Die haben sich an mich erinnert.
Bei meinen Freunden soll beim Becher Frohsinn walten
Mein Begräbnis begießt, stoßt an auf Euren Reichtum:
Mit Kilims, Gobelins, Schüsseln und Kerzenhaltern –
Trinkt durch die Nacht, doch sobald das Morgenrot ist um
Beginnt, nach edlen Steinen zu suchen und Gold                                              Nur das Leben bedeutet das Glück
In Sofas, Matratzen, Decken und Teppichen.
Oh, wie die Arbeit dann ihnen die Hand verkohlt,
Knäuel von Rosshaaren und Seegras verblichenem,
Zerrupfte Kissenwolken, Schwaden aus Federn, die
An den Händen haften, zu Flügelpaaren verbandeln;
Mein Blut wird Werg und Daunen zu Neuem verkleben
Und die Geflügelten jäh in Engel verwandeln.

Celina Muza, eine in Berlin lebende polnische Künstlerin, vertonte dieses Gedicht.

Es ist in ihrer CD zu finden:

http://www.gruener-salon.de/veranstaltung/5/03/2016/non-omnis-moriar/

Nachtrag Mai 2017

Zuzanna Ginczanka wechselte häufig Verstecke in Krakow, das letzte war in der Wohnung von Elżbieta Mucharska, in der ulica Mikołajska 26 im Herzen der Krakauer Altstadt. Zu ihrem 100-sten Geburtstag, am 9 März 2017, wurde an dem Haus eine Gedenktafel angebracht.

Wer mehr über Zuzanna erfahren will:                                  GedenktafelZuzanna

http://ginczanka.de/

Es gab viele ungewöhnliche Momente und Begegnungen in der Zeit meines Aufenthaltes in Krakow. Meine Sinne waren geschärft und der rote Faden zog durch meine Biographie. Ich lernte Gabi von Seltmann kennen und ihre unglaubliche deutsch-polnische Liebesgeschichte.

http://gabiuwe.com/de/about-us/

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