Abschlussbericht zum Aufenthalt in Krakau

Im Rahmen des Aufenthaltes bei der Organisation eFKa in Krakau (vom 5 Mai – 2 Juni 2014) fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, die meine bisherige Arbeit im interkulturellen Bildungsbereich um einige wichtige Erfahrungen bereichert haben. Die polnische Frauenorganisation eFKa hat sich vor allem im Bereich der Weiterbildung und des Empowerments von Frauen einen Namen gemacht. Zudem hat sie langjärige Erfahrungen im Erstellen von Videodokumentationen, was meine eigene Arbeit im Dokumentarfilmbereich inspiriert hat. Die Treffen mit der Gruppe “Erinnerungslabor” waren insgesamt anregend, es fanden intensive Diskussionen statt, deren Lerneffekt nicht zuletzt darin bestand, dass Geschichte und deren Aufarbeitung immer aus unterschiedlichen Perspektiven geschieht. Üeber eFKa stellte sich zudem der Kontakt zu einer Gruppe von LGBT Aktivisten und Aktivistinnen ein, über den wertvolle Informationen zum Thema Gleichberechtigung und Entwicklung von Demokratie im heutigen Polen vermittelt wurden. Nicht zuletzt brachte der Besuch des Dokumentarfestivals neue Impulse im Umgang mit der Aufarbeitung von Krieg und seinen Folgen.

Taetigkeitsbericht der Freiwilligenarbeit:

4 Treffen mit der Gruppe “Erinnerungslabor”: Kennenlerntreffen, Austausch über Biographiearbeit, Gespräch über Filme zum Thema, Abschlusstreffen mit Videodokumentation

  • Jeweils 4 Stunden im eFKa Büro zu den Bürozeiten (montags bzw. dienstags zwischen 10 – 14 Uhr): Terminabsprachen mit Organisatorinnen, Koordinieren und Auswertung der Veranstaltungen, Informationen über die Arbeit von eFKa, regelmäßiger online Kontakt zur Berliner Gruppe “Töchter von Kriegskindern”
  • Teilnahme an der Menschenrechtsdemonstration in Krakau am 10. Mai zum Thema Gleichberechtigung für die LGBT Minderheit, TN am Erstellen einer Videodokumentation
  • Reise nach Warschau am 15./16. Mai zur Filmvorführung der Dokumentation “Jugow” zum Thema Krieg und Vertreibung mit anschliessender Teilnahme an der Diskussion mit Regisseurinnen und Publikum.
  • Besuch der Filme “Byla wojna” und “Boris Dorfmann – a Mentsh” im Rahmen des 54ten Krakauer Filmfestivals am 27. Mai mit anschliessender Diskussion über die traumatischen Folgen von Kriegen und deren Aufarbeitung
  • 4 Konzerte in einem Café im ehemaligen jüdischen Viertel Kazimierz mit anschliessendem Gespräch über die Bedeutung von Musik als Mittel im interkulturellen Dialog
  • 4 x 2 Stunden Polnischunterricht (einmal wöchentlich)

Was hat mir der Aufenthalt gebracht?

Da ich seit vielen Jahren als freischaffende Multimedia-Künstlerin in der politischen Bildungsarbeit tätig bin, war die Zusammenarbeit mit der Frauenorganisation eFKa und der Austausch mit der Gruppe “Erinnerungslabor” von besonderer Bedeutung, da ich tiefe Einblicke in die Arbeitsweise in einem anderen europäischen Land bekam. Insbesondere war mir hierbei wichtig, eine andere Sicht auf die Thematik “Umgang mit dem 2. Weltkrieg und seinen Folgen” – in diesem Falle aus der Sicht eines ehemals verfeindeten Landes – zu erhalten. Die Auseinandersetzung mit diesem hoch emotional belegten Thema war durchaus eine Herausforderung, die ich indes dank der professionellen und kollegialen Unterstützung der eFKa-Frauen bewältigen konnte. Gemeinsam ist es uns gelungen, im Spannungsfeld zwischen persönlicher Auseinandersetzung und kollektivem Aufarbeitungsprozess ein neues, differenziertes Geschichtsbild zu entwerfen. Im Austausch und Gespräch über eigene Biographien lag der Schlüssel zu einem umfassenderen Verständnis der historischen Ereignisse. Die explizite Nichtbewertung einzelner Positionen barg die Möglichkeit zur Überwindung diffuser Schuldgefühle und damit verbundener Ohnmacht, die vor allem Frauen davon abhält, sich aktiv ins politische Geschehen einzumischen. In diesem Zusammenhang gab es ein enormes Potenzial an Unterstützung und Solidarität, das mich ermutigt, das Thema weiter zu bearbeiten. Die direkte Erfahrung, im Ausland mit einer Frauenorganisation zu kooperieren, hat darüber hinaus meine Fähigkeiten im interkulturellen Bereich gestärkt. Der Polnischunterricht hat mich zudem dazu angeregt, diese Sprache weiter zu studieren. Neben dem offiziellen Programm wurde ich von der aufnehmenden Organisation zum Essen und zu diversen Freizeitaktivitäten, beispielsweise Ausflüge ins Umland, eingeladen, wodurch ich Land und Leute kennenlernen konnte. Meine Unterkunft fand sich praktischerweise gleich in der Nähe der Altstadt, was mir den Besuch vieler Sehenswürdikeiten ermöglichte. Die Dauer des Aufenthalts von vier Wochen war völlig angemessen, um einen fundierten ersten Eindruck zu bekommen. Gerne möchte ich diesen bei weiteren Besuchen und zukünftiger Zusammenarbeit vertiefen.

Elisabeth Pricken

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